Steuererklärung in Deutschland – gemeinsam oder getrennt?

Bei Tätigkeit in Deutschland und gleichzeitiger Ehe besteht die Möglichkeit, die Art der Abgabe der Steuererklärung beim Finanzamt zu wählen. Ehepaare und eingetragene Lebenspartnerschaften können entweder eine gemeinsame Steuererklärung oder zwei getrennte Steuererklärungen einreichen. Welche Voraussetzungen sind für die Inanspruchnahme der gemeinsamen Steuererklärung zu erfüllen? Wann empfiehlt sich die getrennte Abgabe der Steuererklärung? In welchen Fällen ist es sinnvoll, den Ehepartner in die Steuererklärung einzubeziehen? In den folgenden Kurzanleitungen werden die wichtigsten Fragen zur gemeinsamen und individuellen Veranlagung in Deutschland beantwortet.

Gemeinsame oder getrennte Veranlagung – Rechtslage in Deutschland

Vor der Erörterung der optimalen Steuerzahlung in Deutschland – gemeinsam oder getrennt – ist auf rechtliche Aspekte einzugehen. Jeder Steuerpflichtige in einer Ehe sollte wissen, dass gemäß §26 Einkommensteuergesetz (EStG) die Wahl der Veranlagungsart gegenüber dem deutschen Finanzamt möglich ist.

In diesem Fall kann der Steuerpflichtige zwischen getrennter und gemeinsamer Steuererklärung für Ehegatten (Zusammenveranlagung) wählen. Tatsächlich steht diese Option nicht jedem offen. Die gemeinsame Steuererklärung ist nur möglich, wenn die Ehegatten folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Die Ehe muss im jeweiligen Steuerjahr rechtlich wirksam bestehen.
  • Beide Ehegatten unterliegen der unbeschränkten Steuerpflicht.
  • Die Ehegatten leben nicht dauerhaft getrennt (was nicht zwingend denselben Wohnsitz voraussetzt).

Wichtig ist, dass auch eine kurzfristige Erfüllung der Voraussetzungen innerhalb des betreffenden Steuerjahres die gemeinsame Abgabe der Steuererklärung in Deutschland ermöglicht. Die Anforderungen für eine solche Steuererklärung gelten demnach auch, wenn die Ehe am 31. Dezember geschlossen wurde oder nur einen Tag bestand.

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Steuerliche Aspekte der Eheschließung

Die Eheschließung beeinflusst die steuerliche Situation auf vielfältige Weise – insbesondere eröffnet sie die Option der gemeinsamen Veranlagung. Zu beachten ist, dass die unmittelbaren Kosten der Eheschließung in der Regel nicht steuerlich absetzbar sind. 

Im Rahmen der steuerlichen Veranlagung in Deutschland ist es nicht ratsam, die Entscheidung für die gemeinsame oder getrennte Abgabe ohne eingehende Prüfung zu treffen. Die gemeinsame Erklärung bietet bei großen Einkommensdifferenzen häufig Vorteile, während in anderen Fällen eine Einzelveranlagung sinnvoller sein kann – etwa bei Auslandseinkünften, Lohnersatzleistungen oder besonderen Konstellationen bei einem Ehegatten. Zweckmäßig ist ein vorheriger Vergleich beider Varianten, bevor die Steuererklärung eingereicht wird.

Gemeinsame Steuererklärung in Deutschland – nicht nur für Ehepaare!

Zusammenveranlagung ist nach der Gesetzeslage nicht nur Ehepaaren vorbehalten. Die oben genannten Voraussetzungen gelten auch für eingetragene Lebenspartnerschaften. Rechtsgrundlage bildet das Lebenspartnerschaftsgesetz. Diese Rechtsauffassung wurde durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 07.05.2013 (Az. 2 BvR 909/06) bestätigt.

Gemeinsame oder getrennte Steuerveranlagung in Deutschland – Was gilt bei Trennung oder Scheidung?

Kommt es zur Auflösung der Ehe im Verlauf des Steuerjahres, stellt sich die Frage, wie sich dies auf die Möglichkeit der gemeinsamen Veranlagung auswirkt.

Wenn die Eheleute im betreffenden Steuerjahr geschieden werden und einer der Ehepartner im selben Jahr erneut heiratet, ist die gemeinsame Steuerveranlagung nur mit dem neuen Ehegatten möglich, sofern die zuvor genannten Voraussetzungen erfüllt sind. Erfolgt die Wiederheirat hingegen erst im Folgejahr, kann für das Scheidungsjahr die gemeinsame Steuererklärung mit dem früheren Partner abgegeben werden, sofern auch hier die Bedingungen vorliegen. Das bedeutet, dass der frühere Ehegatte weiterhin bei der Steuerberechnung für das Jahr der Scheidung berücksichtigt wird. In diesem Fall kann die gemeinsame Steuererklärung nur mit der Person abgegeben werden, mit der am Ende des betreffenden Steuerjahres eine rechtlich wirksame Ehe bestand

Zu beachten ist, dass die gemeinsame Veranlagung in Deutschland (Zusammenveranlagung) häufig mit der Wahl passender Steuerklassen (Steuerklassen) einhergeht, die sich auf die monatlichen Lohnsteuerabzüge auswirken. Ehegatten können unter anderem die Kombinationen IV/IV (bei ähnlichen Einkommen), III/V (wenn ein Partner deutlich mehr verdient) oder IV/IV mit Faktor wählen, die die tatsächliche Steuerbelastung genauer abbildet. Die Steuerklasse beeinflusst zwar nicht die endgültige Jahressteuer, ist aber für die Liquidität relevant – etwa führt die Kombination III/V zu geringeren Abzügen für einen Ehepartner, was jedoch häufig zu einer Nachzahlung nach der Steuerberechnung führt. Eine optimale Anpassung sowohl der Veranlagungsart als auch der Steuerklassen an die Einkommensstruktur ist zweckmäßig; dabei ergeben sich die größten Vorteile meist bei erheblichen Einkommensdifferenzen und der Kombination gemeinsamer Veranlagung mit der Steuerklasse III/V.

Gemeinsame Steuererklärung in Deutschland – zahlreiche Vorteile

Die gemeinsame Steuererklärung ist in den meisten Fällen finanziell vorteilhaft. Ziel dieses Vorgehens ist die steuerliche Gleichstellung der Ehegatten als eine Person. Was bedeutet dies konkret? Nur bei Abgabe einer gemeinsamen Steuererklärung wird ein gemeinsamer Steuerbescheid erlassen.

Wie berechnet das deutsche Finanzamt das zu versteuernde Einkommen der Ehegatten? Zunächst werden die individuellen Einkünfte der Partner ermittelt und anschließend addiert. Erst daraufhin erfolgt die gemeinsame Besteuerung. Dadurch werden beide Ehegatten als ein Steuerpflichtiger behandelt. Auf das so ermittelte Einkommen findet der einschlägige deutsche Steuersatz Anwendung.

Gemeinsame vs. getrennte Steuerveranlagung in Deutschland – Wann ist welche Variante vorteilhaft?

In welchen Situationen ist die gemeinsame Veranlagung beim deutschen Finanzamt besonders vorteilhaft? Dies ist vor allem dann der Fall, wenn erhebliche Einkommensdifferenzen zwischen den Ehegatten bestehen. Bei gemeinsamer Veranlagung werden zunächst beide Einkommen addiert und anschließend durch zwei geteilt. Für dieses durchschnittliche Einkommen wird der individuelle Steuersatz ermittelt. Die resultierende Steuer wird verdoppelt – dies führt in der Regel zu einer geringeren Steuerbelastung als bei getrennter Veranlagung, da das deutsche Steuersystem progressiv ist. Je größer die Einkommensunterschiede, desto ausgeprägter der steuerliche Vorteil der gemeinsamen Veranlagung.

Je höher der Einkommensunterschied zwischen den Ehegatten, desto größer der finanzielle Vorteil, der erzielt werden kann.

Einzelveranlagung bei Ehegatten in Deutschland – wann lohnt sich das?

Zu beachten ist, dass die Einzelveranlagung in der Regel steuerlich ungünstiger ist als die Zusammenveranlagung. Bei Einzelveranlagung reichen Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner getrennte Steuererklärungen ein und erhalten eigenständige Steuerbescheide. Die Steuer wird für jede Person individuell nach dem Grundtarif berechnet.

Hinweis: Seit dem 1. Oktober 2017 können in Deutschland keine neuen eingetragenen Lebenspartnerschaften mehr begründet werden – gleichgeschlechtliche Paare können seitdem die Ehe schließen. Die steuerlichen Regelungen zur Einzel- oder Zusammenveranlagung gelten weiterhin für vor diesem Datum begründete Ehen und Lebenspartnerschaften.

Wann ist Einzelveranlagung trotz gemeinsamer Lebensführung von Vorteil?

Auch bei bestehender Ehe kann die Einzelveranlagung in bestimmten Fällen vorteilhaft sein. Welche Situationen sind damit gemeint? Angenommen, ein Partner arbeitet in Deutschland, der andere erzielt Einkünfte im Ausland, etwa in Polen. Je nach Überschreiten der gemeinsamen deutschen Einkommensgrenze (24.696 €) kann die gemeinsame Veranlagung auf den ersten Blick weniger attraktiv werden.

Auch bei gemeinsamer Veranlagung steht jedem Ehegatten ein individueller Steuerfreibetrag zu – dieser wird somit verdoppelt. Dennoch kann die Einzelveranlagung vorteilhaft sein, insbesondere wenn Auslandseinkommen oder Vorschriften wie das sogenannte Progressionsvorbehalt (§ 32b EStG) relevant sind. Darüber hinaus kann die Einzelveranlagung für Ehegatten und Lebenspartner zu höheren Steuererstattungen führen, wenn der in Deutschland erwerbstätige Partner Steuerklasse I hat und der (im Ausland tätige) Ehepartner keiner deutschen Steuerpflicht unterliegt oder keine deutsche Einkommensteuer zahlt. Daraus ergibt sich die Komplexität der Thematik der Steuererklärung – gemeinsame oder getrennte Veranlagung.

Wer in Deutschland Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosengeld, Krankengeld oder Elterngeld bezieht, für den kann die Einzelveranlagung günstiger sein als die gemeinsame. Diese Leistungen sind zwar steuerfrei, erhöhen aber das zu versteuernde Gesamteinkommen und damit den persönlichen Steuersatz. In der Praxis bedeutet dies, dass bei gemeinsamer Steuererklärung meist eine höhere Steuerlast für beide Partner entsteht.

Ist eine Einkommensteuererklärung erforderlich? Oder besteht Interesse an einer Beratung durch einen professionellen Steuerberater in Deutschland, beispielsweise zu Ehegattensplitting oder zur Möglichkeit der Einreichung einer getrennten Einkommensteuererklärung auch im Rahmen einer Ehe? Dann empfiehlt sich das Online-Steuererklärung für Deutschland in der Anwendung Taxando, einer innovativen Applikation für die deutsche Steuererklärung. Mit dieser Anwendung kann die Steuererklärung in weniger als 15 Minuten ausgefüllt und an das zuständige Finanzamt übermittelt werden. Bei Auswahl des PREMIUM-Pakets ist kein persönlicher Kontakt mit den Behörden erforderlich – ein erfahrener Steuerberater übernimmt dies. Jetzt testen und das jährliche Steuererklärungsverfahren beim Finanzamt stressfrei gestalten!

FAQ

Müssen Ehegatten in Deutschland gemeinsam veranlagen?

Nein, Ehegatten in Deutschland sind nicht verpflichtet, automatisch eine gemeinsame Einkommensteuererklärung abzugeben. Es besteht die Wahlmöglichkeit zwischen gemeinsamer oder getrennter Veranlagung, sofern Letztere vorteilhafter ausfällt.

Wann ist eine gemeinsame Steuererklärung in Deutschland möglich?

Eine gemeinsame Veranlagung ist möglich, wenn die Ehe im betreffenden Steuerjahr bestanden hat, keine dauerhafte Trennung vorlag und beide Ehegatten unbeschränkt steuerpflichtig waren. Die Voraussetzungen gelten auch, wenn die Eheschließung erst zum Jahresende erfolgte.

Ist die gemeinsame Veranlagung in Deutschland immer vorteilhafter?

Nicht immer, häufig jedoch bei großen Einkommensunterschieden zwischen den Ehegatten. Bei ähnlichen Einkommen fällt der Vorteil gering aus, daher empfiehlt sich der Vergleich beider Varianten.

Was ist das Ehegattensplitting?

Das Ehegattensplitting sieht eine Zusammenrechnung der Einkommen beider Ehegatten, deren Halbierung, die Berechnung der Steuer auf die Hälfte des Einkommens und abschließend eine Verdopplung des Betrags vor. Dieser Mechanismus kann die Steuerbelastung insbesondere reduzieren, wenn ein Ehegatte deutlich mehr verdient als der andere.

Wann ist die getrennte Veranlagung von Ehegatten in Deutschland vorteilhaft?

 Eine getrennte Veranlagung kann vorteilhaft sein, wenn einer der Ehegatten Auslands-einkünfte erzielt, Progressionsleistungen bezieht oder besondere Vergünstigungen und Kosten anfallen. Diese Variante empfiehlt sich auch bei einer möglichen Steuernachzahlung infolge gemeinsamer Veranlagung.

Wirken sich Einkünfte des Ehegatten aus Polen auf die deutsche Steuererklärung aus?

Ja, Einkünfte des Ehegatten aus Polen können insbesondere bei gemeinsamer Veranlagung und Anwendung des Progressionsvorbehalts die Veranlagung in Deutschland beeinflussen. Sie unterliegen nicht immer der deutschen Besteuerung, können jedoch den Steuersatz für die in Deutschland erzielten Einkünfte erhöhen.

Bedeuten die Steuerklassen III/V eine Pflicht zur gemeinsamen Veranlagung?

Die Kombination III/V führt in der Regel zur Verpflichtung zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung. Die Steuerklassen allein entscheiden jedoch nicht über die endgültige Steuerhöhe, da die Abrechnung erst nach Einreichung der Erklärung erfolgt.

Ist nach einer Scheidung eine gemeinsame Veranlagung in Deutschland möglich?

In bestimmten Fällen ist eine gemeinsame Veranlagung noch möglich, wenn im betreffenden Steuerjahr die Voraussetzungen hierfür vorlagen. Heiratet jedoch einer der ehemaligen Ehegatten im selben Jahr erneut, können sich die Regelungen ändern.

Artikel von

Maciej Wawrzyniak

Maciej Wawrzyniak ist ein erfahrener Unternehmer, dessen Unternehmen jedes Jahr mehr als 40.000 Steuererklärungen erstellt. Als Mitbegründer von Taxando bringt er seine Erfahrungen und Kenntnisse in den Bereichen Finanzen, Marketing und Steuern in das Projekt ein.

Privat liebt Maciej sportliche Herausforderungen, spielt Gitarre und schwimmt gerne im See. Außerdem ist er stolzer Vater von drei Söhnen.

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