Riester 2.0 – welche Änderungen bringt die Reform und ob das Altersvorsorgedepot die Rente tatsächlich erhöht?

Über viele Jahre war die Riester-Rente eine der wichtigsten Formen der privaten Altersvorsorge in Deutschland. Mit der Zeit wurden jedoch immer häufiger Kritikpunkte laut: hohe Kosten, komplizierte Regeln und geringe Renditen. Deshalb plant die Regierung nun eine Reform des Systems, das sogenannte Riester 2.0, mit einer völlig neuen Lösung – dem sogenannten Altersvorsorgedepot, also einem staatlich geförderten Investmentkonto. Das neue Modell soll einfacher, günstiger und flexibler sein und vor allem ermöglichen, das Geld unter anderem in Fonds und ETFs anzulegen. Schau Dir an, worum es bei der Riester-Reform geht, wer davon profitieren kann und ob es sich lohnt, die eigene Altersvorsorge in Deutschland neu zu gestalten.

Ermöglicht das neue Altersvorsorgedepot wirklich höhere Erträge für die Rente?

Viele Menschen, die in Deutschland arbeiten, hatten über Jahre hinweg das Gefühl, dass die Riester-Rente die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt hat. Das System war kompliziert, oft teuer und – was am wichtigsten ist – bot nur sehr eingeschränkte Anlagemöglichkeiten, da die meisten Produkte eine Garantie der eingezahlten Beiträge bieten mussten. In der Praxis bedeutete das, dass das Geld überwiegend in konservative Finanzinstrumente floss, die langfristig eine relativ niedrige Rendite erzielten. Die als Riester 2.0 bezeichnete Reform soll eine Antwort auf diese Probleme sein. Das neue Modell der privaten Altersvorsorge basiert auf dem Konzept des Altersvorsorgedepots – eines speziellen, staatlich geförderten Investmentkontos, das Investitionen in verschiedene Instrumente des Kapitalmarkts ermöglichen soll, darunter Investmentfonds und potenziell auch ETFs. 

Aus Sicht einer in Deutschland arbeitenden Person ist vor allem eines wichtig: Die grundlegende Philosophie des gesamten Systems ändert sich. Anstelle eines starren Kapitalschutzes, der die möglichen Erträge begrenzte, tritt ein Modell, das auf langfristige Investitionen am Kapitalmarkt ausgerichtet ist. Das bedeutet zwar stärkere Schwankungen auf kurze Sicht, eröffnet aber deutlich höhere Chancen auf ein reales Wachstum des Altersvorsorgevermögens. Die Reform sieht außerdem einfachere Regeln, geringere Kosten sowie mehr Wettbewerb zwischen Banken, Fonds und Investmentplattformen vor, die solche Produkte anbieten können. Für viele bedeutet das vor allem eines: Wenn das System in der geplanten Form eingeführt wird, kann die private Rente in Deutschland endlich zu einem echten Instrument für den langfristigen Kapitalaufbau werden – und nicht nur zu einem symbolischen Zusatz zur gesetzlichen Rente.

Das Ende der alten Riester-Rente? So funktioniert Riester 2.0 – und ob es sich lohnt, Deine Ersparnisse zu übertragen

Viele Menschen stellen sich heute eine sehr praktische Frage: Wird es die alten Riester-Verträge weiterhin geben und was passiert mit dem bereits angesparten Geld? Nach den Plänen der Reform bleiben die bestehenden Verträge gültig, das heißt, sie werden weder automatisch aufgelöst noch in das neue System überführt. Personen mit solchen Verträgen genießen den sogenannten Bestandsschutz, also die Möglichkeit, weiterhin nach den bisherigen Regeln zu sparen. Gleichzeitig sollen die neuen Regelungen einen freiwilligen Wechsel in das neue Modell ermöglichen, falls dieses sich als vorteilhafter erweist.

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Das ist jedoch keine Entscheidung, die man übereilt treffen sollte. Die Übertragung der Mittel in ein Altersvorsorgedepot soll zwar möglich sein, wird aber eine dauerhafte Entscheidung sein. Deshalb muss vor einem Wechsel die eigene finanzielle Situation gründlich analysiert werden. In der Praxis bedeutet das, mehrere Punkte zu prüfen – die Höhe der bisherigen staatlichen Zulagen, die Struktur der Geldanlage, mögliche Kosten sowie die zu erwartende Rendite im neuen System. In manchen Fällen, insbesondere bei Familien mit mehreren Kindern, kann das alte Modell aufgrund hoher Kinderzulagen weiterhin attraktiv sein. Für jüngere Personen oder Berufseinsteiger kann Riester 2.0 hingegen eine deutlich transparentere und flexiblere Form des Kapitalaufbaus für das Alter darstellen.

Was kostet der Wechsel zum Altersvorsorgedepot?

Die Umstellung eines bestehenden Riester-Vertrags auf ein Altersvorsorgedepot soll in den meisten Fällen kostenneutral sein. Läuft der Vertrag bereits seit mindestens fünf Jahren, soll die Übertragung der Mittel in das neue Modell ohne Gebühren erfolgen. Ist der Vertrag jünger, kann das Finanzinstitut eine einmalige Gebühr von bis zu 150 Euro verlangen. Die gleiche Regel soll gelten, wenn Du den Anbieter des Altersvorsorgedepots wechselst. Es ist jedoch wichtig zu bedenken, dass die endgültigen Bedingungen und eventuelle Gebühren von der endgültigen Gesetzesfassung und den detaillierten Regelungen des Gesetzgebers abhängen werden.

ETF statt Versicherung – ändert Riester 2.0 die Spielregeln bei der Altersvorsorge?

Einer der sichtbarsten Änderungen der Reform ist die Öffnung des Altersvorsorgesystems für Investitionen in Kapitalmarktinstrumente. In klassischen Riester-Produkten dominierten Versicherungslösungen, die die Rückzahlung der eingezahlten Beiträge garantieren mussten. Genau diese Garantie führte dazu, dass der Großteil des Geldes in sehr sichere, aber renditeschwache Finanzinstrumente floss. Im neuen Modell ist der Ansatz grundlegend anders – der Staat fördert das Sparen weiterhin, verlangt aber keine vollständige Kapitalgarantie mehr. Dadurch wird es möglich, zum Beispiel in globale Indexfonds oder Anleihen zu investieren.

Für jemanden, der Geld für die Zukunft zurücklegt, bedeutet das ein ganz anderes Potenzial beim Kapitalaufbau. Investitionen in breit gestreute ETFs ermöglichen es, vom langfristigen Wachstum der Weltwirtschaft zu profitieren, was den Wert des angesparten Vermögens über mehrere Jahrzehnte deutlich erhöhen kann. Die Reform soll zudem die Kosten solcher Produkte durch gesetzliche Gebührenobergrenzen und mehr Wettbewerb zwischen Finanzinstituten senken. In der Praxis heißt das, dass die private Altersvorsorge in Deutschland künftig den Anlagesystemen in anderen entwickelten Ländern ähneln kann, in denen ein Teil der Altersabsicherung gerade durch Investitionen am Kapitalmarkt aufgebaut wird.

Neue Rente mit staatlicher Förderung – schau Dir an, wie viel Du mit Riester 2.0 gewinnen kannst

Einer der Schlüsselelemente der Reform bleibt die direkte finanzielle Unterstützung durch den Staat. Im neuen Modell sollen die Zuschüsse einfacher und transparenter sein als im bisherigen Riester-System. Der Reformentwurf sieht ein System staatlicher Zulagen vor, die an die Höhe der jährlichen Einzahlungen auf das Altersvorsorgekonto gekoppelt sind. Das bedeutet, dass ein Teil des Geldes, das in das Altersvorsorgedepot fließt, durch zusätzliche Mittel aus dem Staatshaushalt ergänzt werden soll – was den Wert der Ersparnisse bereits in der Ansparphase erhöht. 

Neben der Grundzulage soll das System zusätzliche Boni für bestimmte Gruppen vorsehen, unter anderem für Familien mit Kindern oder Berufseinsteiger. In der Praxis bedeutet das, dass ein Teil des Altersvorsorgekapitals direkt aus öffentlichen Mitteln aufgebaut wird, was die Effizienz des langfristigen Sparens deutlich erhöht. Dabei sollte man bedenken, dass die staatliche Zulage wie eine zusätzliche Rendite zu Beginn der Geldanlage wirkt, da jede Einzahlung automatisch um Mittel aus dem Haushalt aufgestockt wird. Genau dieser Mechanismus sorgt dafür, dass die private Rente in Deutschland – insbesondere bei regelmäßigem Sparen – langfristig ein deutlich höheres Kapital generieren kann als das bloße Zurücklegen von Geld ohne staatliche Unterstützung.

Die geplante Reform sieht vor, dass die staatlichen Zuschüsse zum Altersvorsorgedepot von der Höhe der jährlichen Einzahlungen abhängen. Wenn Du im Laufe eines Jahres bis zu 1.200 Euro einzahlst, steuert der Staat 30 Cent zu jedem eingezahlten Euro bei, also maximal 360 Euro pro Jahr. Bei höheren Einzahlungen – bis zur Grenze von 1.800 Euro jährlich – beträgt der Zuschuss 20 Cent für jeden weiteren Euro, wodurch zusätzliche 120 Euro möglich sind, also insgesamt bis zu 480 Euro Förderung im Jahr. Der Mindestbeitrag, der zum Anspruch auf die Förderung berechtigt, soll 120 Euro pro Jahr betragen. Personen, die vor Vollendung des 25. Lebensjahres mit dem Sparen beginnen, erhalten zudem einen einmaligen Bonus von 200 Euro zum Start. Laut Reformentwurf soll ab 2029 der Zuschuss für die ersten 1.200 Euro auf 35 Cent pro Euro steigen, wodurch die maximale staatliche Förderung auf bis zu 540 Euro jährlich anwachsen kann.

Hast Du bereits eine Riester-Rente? Finde heraus, ob der Wechsel zu Riester 2.0 sich wirklich lohnt

Für Personen, die bereits seit Jahren im Rahmen der Riester-Rente sparen, kann die Reform sowohl eine Chance als auch eine Herausforderung darstellen. Einerseits bieten die neuen Lösungen mehr Flexibilität bei der Geldanlage und potenziell höhere Erträge. Andererseits erfordert jeder Wechsel eine genaue Analyse der bisherigen Vertragsbedingungen. Entscheidend sind hier insbesondere die Höhe des angesparten Kapitals, die Anzahl der erhaltenen staatlichen Zulagen sowie die Kostenstruktur des alten Vertrags. In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, beim bestehenden Vertrag zu bleiben – vor allem dann, wenn dieser attraktive Familienboni oder eine garantierte Auszahlung in der Zukunft vorsieht.

Andererseits weisen viele Analysen darauf hin, dass das neue System besonders für jüngere Menschen attraktiv sein kann, die noch mehrere Jahrzehnte vor sich haben, um Kapital anzusparen. Ein langer Anlagehorizont begünstigt Strategien, die auf dem Kapitalmarkt basieren, da die Zeit durch den Zinseszinseffekt für den Anleger arbeitet. Deshalb lohnt es sich zu prüfen, ob der bestehende Riester-Vertrag das Wachstum der Ersparnisse nicht durch hohe Gebühren oder eine sehr konservative Anlagestrategie bremst. In vielen Fällen lässt sich erst durch die Gegenüberstellung dieser Faktoren real einschätzen, ob der Wechsel zu Riester 2.0 die zukünftige finanzielle Situation im Ruhestand tatsächlich verbessert.

Riester 2.0 in der Praxis – wer profitiert vom neuen Altersvorsorgedepot und wer sollte beim alten System bleiben?

Obwohl die Reform der privaten Altersvorsorge in Deutschland intensiv diskutiert wird, sollte man bedenken, dass das neue System nicht für jeden Steuerpflichtigen oder Arbeitnehmer ideal sein wird. Am meisten profitieren dürften Personen, die regelmäßig sparen, über stabile Einkommen verfügen und über Jahrzehnte langfristig investieren wollen. In einem solchen Fall kann die Möglichkeit, in Indexfonds oder andere Kapitalmarktinstrumente zu investieren, den Wert des angesparten Kapitals deutlich erhöhen. Gleichzeitig zielt die Reform darauf ab, das System zu vereinfachen und die Kosten der Finanzprodukte zu senken – ein Punkt, der in der Vergangenheit zu den Hauptkritikpunkten an der Riester-Rente gehörte.

Auf der anderen Seite gibt es auch Gruppen, für die es sicherer erscheinen kann, bei den bisherigen Lösungen zu bleiben. Das betrifft vor allem Personen, die finanziell sehr konservativ eingestellt sind oder im alten System von hohen Familienzulagen profitieren. Die Reform sieht zwar verschiedene Produktvarianten vor – von eher sicheren bis hin zu dynamischeren, chancenorientierten Anlagen –, doch jede Variante ist mit einem anderen Risiko- und Renditeprofil verbunden. Bevor Du Dich also für eine bestimmte Form der Altersvorsorge entscheidest, solltest Du Deine Einkommenssituation, Dein Alter, Deine familiäre Lage und den geplanten Renteneintritt sorgfältig analysieren. Erst auf dieser Grundlage lässt sich bewusst ein Modell wählen, das den Aufbau eines stabilen Kapitals für die Zukunft wirklich unterstützt.

Wenn Du in Deutschland arbeitest und an Deine finanzielle Absicherung für die Zukunft denkst, solltest Du auch an die jährliche Steuererklärung in Deutschland denken. In vielen Fällen ist eine Rückerstattung von zu viel gezahlten Steuern möglich, die eine zusätzliche Unterstützung für das Haushaltsbudget oder die Ersparnisse darstellen kann. Um dies schnell und bequem zu erledigen, kannst du die Taxando-App nutzen, mit der du ganz einfach deine deutsche Steuererklärung online einreichen und prüfen kannst, ob dir eine Steuerrückerstattung zusteht.

Artikel von

Maciej Szewczyk

Maciej Szewczyk ist IT-Berater, Innovationsmanager und vereidigter deutscher Übersetzer, spezialisiert auf polnisches und deutsches Steuerrecht.

Er sammelte Erfahrungen als Berater in IT-Projekten für viele internationale Unternehmen. Im Jahr 2017 gründete er das Startup taxando GmbH, in dem er die innovative Steuer-App Taxando entwickelte, die die Abgabe der jährlichen Steuererklärung erleichtert. Maciej Szewczyk verbindet technologisches Fachwissen mit fundierten Kenntnissen der Steuervorschriften und ist damit ein Experte auf seinem Gebiet.

Privat ist er glücklicher Ehemann und Vater und lebt mit seiner Familie in Berlin.

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