Arbeit im Minijob wird oft mit einem einfachen Arrangement verbunden: wenige Arbeitsstunden, ein geringes Einkommen und eine schnelle Auszahlung ohne großen Formalitäten. Es ist jedoch zu beachten, dass selbst ein kleiner Rentenversicherungsbeitrag in Deutschland eine größere Bedeutung haben kann, als der bloße Abzugsbetrag vermuten lässt. Der Verzicht darauf bringt zwar aktuell etwas mehr Geld, kann aber gleichzeitig Rechte einschränken, die in Zukunft nützlich sind – nicht nur für die Rente, sondern auch für Versicherungszeiten, Rehabilitation oder eine Rente wegen Erwerbsminderung. Deshalb sollte vor der Annahme, dass „diese paar Euro“ keinen Unterschied machen, geprüft werden, was durch die Beitragszahlung im Minijob tatsächlich gewonnen wird.
Nur wenig verdient im Minijob? Warum der Rentenversicherungsbeitrag von 3,6 % wichtig ist.
Auf den ersten Blick mag der Verzicht auf den Rentenversicherungsbeitrag verlockend erscheinen – vor allem dann, wenn das Entgelt gering ist und jeder gesparte Euro zählt. Im deutschen System lohnt jedoch ein breiterer Blick, denn beim Minijob geht es nicht nur um die spätere Rente, sondern auch um Rechte in der Rentenversicherung.
Eine Person im Minijob unterliegt grundsätzlich der Rentenversicherungspflicht; der eigene Beitragsanteil beträgt 3,6 % des Arbeitsentgelts. Dies ist die Differenz zwischen dem vollen Beitrag von 18,6 % und dem Pauschalbeitrag des Arbeitgebers von 15 %. In der Praxis finanziert der Arbeitgeber den größeren Teil, und der eigene Zuschuss kann dazu beitragen, die Beschäftigungszeit vollständiger auf die Versicherungszeit anzurechnen.
Besonders vorsichtig sollte vorgegangen werden, wenn mit dem Minijob weniger als 175 Euro monatlich verdient werden. In dieser Konstellation kann der Beitrag vom Mindestbeitragspflichtigen Entgelt berechnet werden, sodass der tatsächliche Abzug relativ höher ausfallen kann als die üblichen 3,6 %. Vor einem Verzicht sollte daher geprüft werden, wie viel aktuell tatsächlich gewonnen wird und welche Rechte künftig verloren gehen können.
Eine einfache Steuererklärung in 12 minuten?
Wählen Sie Taxando
Vor einer Befreiung allein deshalb, um monatlich etwas mehr „netto“ zu erhalten, sollte zunächst der Versicherungsverlauf bei der Deutschen Rentenversicherung geprüft werden. Bei Beschäftigungsunterbrechungen oder wenn noch einige Monate bis zu einer wichtigen Versicherungszeit fehlen, kann ein kleiner Beitrag aus dem Minijob deutlich wertvoller sein als die zusätzlichen zehn oder zwanzig Euro netto. In diesem Fall sollte nicht nur auf die Höhe der künftigen Rente geachtet werden, sondern auch darauf, welche Rechte ein einziger Monat Pflichtversicherung vermittelt.
Lohnt sich der Verzicht auf den Rentenversicherungsbeitrag im Minijob?
Viele Personen betrachten den Minijob vor allem unter dem Aspekt des „Netto“-Auszahlungsbetrags. Das ist nachvollziehbar, denn bei einer zusätzlichen oder geringfügigen Beschäftigung zählt jeder Betrag. Problematisch wird es jedoch, wenn die Befreiung von den Rentenversicherungsbeiträgen automatisch erklärt wird, ohne die Folgen zu prüfen.
Im deutschen System wirkt sich der Pflichtbeitrag im Minijob nicht nur auf die spätere Rentenhöhe aus. Wird kein Befreiungsantrag gestellt, kann die Beschäftigungszeit umfassender als Versicherungszeit berücksichtigt werden und beim Erfüllen der Voraussetzungen für verschiedene Leistungen helfen.
Dies ist besonders relevant, wenn die Beschäftigung in Deutschland unregelmäßig verläuft – einmal Vollzeit, dann eine Pause, Saisonarbeit, ein kurzer Vertrag oder eben ein Minijob. Jeder Beitragsmonat kann zählen, unter anderem für die vorzeitige Rente, Rehabilitation oder eine Rente wegen Erwerbsminderung. Deshalb sollte vor dem Verzicht auf den Beitrag für eine etwas höhere Auszahlung geprüft werden, ob sich diese Ersparnis tatsächlich lohnt.
Wann lohnen sich Beiträge aus dem Minijob wirklich?
Beim Minijob liegt der Gedanke nahe, dass bei geringem Verdienst auch der Einfluss auf die deutsche Rente nur symbolisch sein könne. In gewissem Sinne stimmt das – ein kleines Entgelt führt nicht zu hohen jährlichen Anwartschaften. Die Höhe der späteren Auszahlung ist jedoch nicht die einzige zu berücksichtigende Frage.
Beim Minijob wird der Unterschied an Zahlen gut sichtbar: im gewerblichen Bereich beträgt der monatliche Wert der erworbenen Anwartschaft 4,59 Euro bei Befreiung von der Rentenversicherungspflicht und 5,68 Euro bei Pflichtversicherung. Wird die Leistung vorzeitig mit Abschlag bezogen, sinken die Beträge entsprechend auf 4,09 Euro beziehungsweise 5,07 Euro. Es handelt sich nicht um große Summen, doch sie zeigen klar, dass der volle Beitrag eine günstigere Wirkung hat als die allein vom Arbeitgeber gezahlte Pauschale.
Den größten Sinn hat die Beitragszahlung dann, wenn der Minijob als Teil einer längeren Erwerbsbiografie in Deutschland verstanden wird. Im Rentensystem zählen nicht nur Geldbeträge, sondern auch Beitragsmonate und Beitragsjahre, die beim Erfüllen von Voraussetzungen für verschiedene Leistungen helfen können. Deshalb sollte vor der Unterzeichnung einer Befreiung die Wirkung geprüft werden, statt davon auszugehen, dass ein geringes Einkommen ohne Bedeutung sei.
Die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht im Minijob kann verlockend sein, weil der Effekt sofort sichtbar ist – vom Entgelt wird der eigene Beitragsanteil nicht einbehalten. Zu beachten ist jedoch, dass der Arbeitgeber weiterhin nur den Pauschalbeitrag abführt und kein Ausgleich bis zum vollen Beitrag erfolgt. Das bedeutet einen schwächeren Erwerb von Rentenanwartschaften.
Vor der Befreiung von Beiträgen im Minijob: prüfen, welche Rechte dadurch eingeschränkt werden
Der Antrag auf Befreiung von der Rentenversicherungspflicht im Minijob wird schriftlich beim Arbeitgeber gestellt. Das klingt nach einer einfachen Formalität, hat im deutschen System jedoch konkrete Folgen. Grundsätzlich gilt die Befreiung ab Beginn des Monats, in dem der Antrag gestellt wird, frühestens ab Beginn der Beschäftigung.
Wesentlich ist, dass die Befreiung für die gesamte Dauer der jeweiligen Beschäftigung verbindlich ist und während dieses Arbeitsverhältnisses nicht frei widerrufen werden kann. Bestehen mehrere Minijobs gleichzeitig, muss die Befreiung alle gleichzeitig ausgeübten Beschäftigungen erfassen. Auch die übrigen Arbeitgeber müssen darüber informiert werden.
Nach der Befreiung entfällt der eigene Beitragsanteil, zugleich werden jedoch Teile der Vorteile aus der Pflichtversicherung aufgegeben. Dazu gehört unter anderem die Bedeutung von Beitragszeiten bei Rehabilitation und bei einer Rente wegen Erwerbsminderung. Deshalb sollte ein solcher Antrag nicht „nebenbei“ unterschrieben werden, sondern die Folgen sollten zuvor sorgfältig geprüft werden.
FAQ
Zählt ein Minijob für die deutsche Rente?
Ja, wenn aus dem Minijob Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung abgeführt werden. In diesem Fall wird die Beschäftigungszeit als volle Beitragszeit bei der Ermittlung der erforderlichen Versicherungszeiten berücksichtigt, und das Arbeitsentgelt fließt in die Berechnung der künftigen Rente ein.
Wie hoch ist der Rentenversicherungsbeitrag des Arbeitnehmers im Minijob im Jahr 2026?
Bei einem regulären Minijob im Unternehmen zahlt der Arbeitgeber 15 % des Arbeitsentgelts an die Rentenversicherung, und der Arbeitnehmer zahlt 3,6 % hinzu. Bei einem maximalen Verdienst von 603 € entspricht das rund 21,71 € monatlich vom Arbeitsentgelt des Arbeitnehmers. Im Privathaushalt ist der Arbeitnehmeranteil höher, da der Arbeitgeber einen niedrigeren Pauschalbeitrag zahlt.
Kann auf Rentenversicherungsbeiträge im Minijob verzichtet werden?
Ja. Eine im Minijob beschäftigte Person kann beim Arbeitgeber einen Antrag auf Befreiung vom eigenen Anteil am Rentenversicherungsbeitrag stellen. Dadurch erhöht sich das Nettoentgelt geringfügig, zugleich werden jedoch Teile der Vorteile aus den vollen Pflichtversicherungszeiten aufgegeben.
Kann nach einem früheren Verzicht wieder zur Beitragszahlung zurückgekehrt werden?
Ja. Ab dem 1. Juli 2026 kann eine frühere Befreiung von der Rentenversicherung einmalig widerrufen werden. Der Antrag wird beim Arbeitgeber gestellt, und die Beitragspflicht gilt dann für die Zukunft. Frühere Monate können damit nicht nachträglich aufgefüllt werden, und nach dem Widerruf ist ein erneuter Verzicht im laufenden Minijob nicht mehr möglich.
Welchen Nutzen hat die Zahlung von Rentenversicherungsbeiträgen aus dem Minijob außer einer höheren Rente?
Der Vorteil besteht nicht nur in einer geringfügig höheren späteren Rentenzahlung. Volle Pflichtversicherungszeiten können bei der Erfüllung von Mindestversicherungszeiten, beim Anspruch auf Erwerbsminderungsrente, Rehabilitation, Grundrentenzuschlag oder bei bestimmten Formen der zusätzlichen Altersvorsorge von Bedeutung sein.
Kann ein Minijob beim Erreichen der erforderlichen 5 Versicherungsjahre für die Rente helfen?
Ja. Unterliegt der Minijob der Versicherungspflicht in der Rentenversicherung, können die Monate einer solchen Tätigkeit auf die für die Erfüllung der sogenannten Wartezeit erforderlichen Zeiten angerechnet werden. Dies ist insbesondere für Personen von Bedeutung, denen bis zur Mindestversicherungszeit nur relativ wenige Monate fehlen.
Kann eine Rentnerin oder ein Rentner im Minijob arbeiten, ohne dass die Rente gekürzt wird?
Ja. Bei Altersrenten gilt der allgemeine Hinzuverdienstgrenzwert nicht mehr – dies betrifft auch vorgezogene Altersrenten. Andere Regeln gelten jedoch bei der Erwerbsminderungsrente, bei der weiterhin Hinzuverdienstgrenzen und Einschränkungen hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit bestehen.
Kann eine Person nach Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze weiterhin Beiträge aus einem Minijob zahlen?
Ja. Nach Erreichen der Regelaltersgrenze muss der Arbeitnehmer grundsätzlich keinen eigenen Rentenversicherungsbeitrag mehr zahlen, kann sich jedoch für die weitere Zahlung entscheiden. In diesem Fall erhöhen sowohl der Arbeitnehmer- als auch der Arbeitgeberbeitrag die spätere Rente weiter.
Ergeben mehrere Minijobs mehr Beitragszeiten für die Rente?
Ein Monat Versicherungszeit kann nicht durch eine gleichzeitige Tätigkeit an zwei Stellen „verdoppelt“ werden. Die Vergütungen aus mehreren Minijobs werden jedoch bei der Beurteilung des Beschäftigungsstatus zusammengerechnet. Im Jahr 2026 beträgt die reguläre monatliche Gesamtgrenze für Minijobs 603 €, sodass mehrere parallele Beschäftigungen zu einer Überschreitung dieser Grenze führen können.
Lohnt es sich, beim Minijob auf den Rentenversicherungsbeitrag zu verzichten?
Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Ein Verzicht bringt heute einige oder mehrere Dutzend Euro netto mehr, kann aber den Verlust voller Beitragszeiten und einzelner Ansprüche aus der Pflichtversicherung bedeuten. Insbesondere vor der Antragstellung sollte der Versicherungsverlauf geprüft und festgestellt werden, ob bis zu einer wichtigen Rentenschwelle noch einige Monate oder Jahre fehlen.

Maciej Szewczyk
Er sammelte Erfahrungen als Berater in IT-Projekten für viele internationale Unternehmen. Im Jahr 2017 gründete er das Startup taxando GmbH, in dem er die innovative Steuer-App Taxando entwickelte, die die Abgabe der jährlichen Steuererklärung erleichtert. Maciej Szewczyk verbindet technologisches Fachwissen mit fundierten Kenntnissen der Steuervorschriften und ist damit ein Experte auf seinem Gebiet.
Privat ist er glücklicher Ehemann und Vater und lebt mit seiner Familie in Berlin.















